Wie kannst Du Dein Gebetsleben verbessern? – Pater Markus Buchmaier und @Biblical Bookworm

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Wie kannst Du Dein Gebetsleben verbessern?

 

Elisabeth: Hallo an alle und Willkommen zum heutigen Video. Ich bin Elisabeth vom Kanal Biblical Bookworm und heute spreche ich mit Pater Markus Buchmaier über das Gebet und darüber, wie man sein Gebetsleben konkret verbessern kann.

 

Fangen wir gleich mit der ersten Frage an: Inwiefern kann oder sollte man sich auf das Gebet vorbereiten? Können Sie dazu etwas erläutern?

Pater Buchmaier: Ja, ich denke es ist wichtig, dass wir zur Ruhe kommen. Ich selbst stütze mich da immer gerne auf die Gebetsweise der Hl. Theresa von Avila, weil sie sagt: Am besten ist es, wenn wir uns zuerst bewusst sind oder wieder bewusstwerden, dass wir Geschöpfe sind und dass wir mit Gott, dem Vater, dem Schöpfer reden und deswegen, weil wir auch durch die Erbsünde gefallen sind, dass wir uns auch ein bisschen demütigen und eine kurze Gewissenserforschung halten. Das soll uns nicht irgendwie niederdrücken, sondern uns einfach helfen, die Ehrfurcht vor der Größe des Schöpfers und des liebenden Vaters zu wahren und dadurch besser gesammelt zu werden, damit wir uns mit größerer Andacht, Hingabe und Liebe Gott Vater zuwenden können.

 

Elisabeth: Wo sie gerade von Gott Vater sprechen: Welches Bild soll man denn von Gott haben? Ist es wichtig, dass man ihn als Vater sieht oder ist es ein großes Problem, wenn man vor allem aus Angst betet? was würden sie da sagen?

  1. Buchmaier: Ja, das ist eine gute Frage, weil viele Menschen, wie ich gemerkt habe, oft ein verzerrtes Gottesbild haben, weil sie denken, wir müssen einfach den Dekalog erfüllen und wir müssen gewisse Gebete sprechen. Aber dann verlieren sie irgendwie dieses Freundschaftliche, dieses Väterliche, dieses Kindliche, diesen richtigen Bezug zu Gott Vater, der immer da ist, der uns immer zuhört, der uns auch immer verzeiht. Dann kann man auch ruhig zum Gebetsbeginn so wieder wie der Zöllner im Tempel sagen: „Verzeih mir und sei mir armen Sünder gnädig.“ (Lk 18,9-14)

Das ist wirklich diese perfekte kindliche Haltung gegenüber Gott. Wir brauchen auch keine Angst zu haben. Wir können zum Vater hingehen so oft wir wollen, auch während des Tages. Das heißt, wir müssen uns nicht immer lange auf das Gebet vorbereiten, sondern oft genügen auch kurze Akte im Alltag.

 

Elisabeth: Wenn sie gerade die Dauer ansprechen, haben sie Empfehlungen dazu? Etwa wie lange die Vorbereitung oder das Gebet selbst im Optimalfall sein soll?

 

  1. Buchmaier: Ich denke das hängt immer davon ab wie viel Zeit man hat. Die Vorbereitung um sich zu sammeln und andächtig zu werden, das braucht vielleicht nur eine oder maximal zwei Minuten, etwa bei einer Gebetszeit von z.B. 10 Minuten in der Früh wenn man noch quasi frisch am Morgen ist oder wenn man länger Zeit hat. Während des Tages braucht es diese Vorbereitung oft gar nicht. Ein Stoßgebet ist ja ein kurzer Akt wie ein „Hallo“ sagen, ein Hilferuf oder ein Dankesgebet. In der Frühe oder am Abend, wenn man mehr Zeit hat, würde ich der Vorbereitung schon ungefähr eine Minute geben, wobei ich das auch nicht genau zeitlich reglementieren würde sondern auch da gilt es, auf das Herz zu hören und sich zu fragen, wie es mir und mir mit dem lieben Gott geht. Es ist ja nicht verboten, mit dem lieben Gott ganz offen zu reden, manchmal auch zu schimpfen. Man lese da nur das alte Testament. Die Psalmen sind oft voll von diesem wirklich menschlichen Umgang mit dem lieben Gott. Aber dazu hat er uns auch gemacht und für diese Natur müssen wir uns auch nicht schämen.

 

Elisabeth: Und was würden sie zum eigentlichen Gebet sagen? Wie lange soll zum Beispiel eine tägliche Betrachtung dauern?

 

  1. Buchmaier: Wenn sie schon die Betrachtung ansprechen würde ich sagen, wenn man wirklich die Zeit hat, eine Betrachtung zu machen, dann würde ich schon mindestens fünf Minuten nehmen. Es braucht ja einfach eine bestimmte Vorbereitung, einen Hauptteil und einen Schluss braucht. Um nochmal mit Theresa von Avila zu sprechen: Sie sagt etwas Unglaubliches, nämlich, dass derjenige, der 15 Minuten am Tag betrachtet, sicher in den Himmel kommt. Das ist interessant, darüber müsste man mal genauer nachdenken, was das bedeutet und warum sie sich anmaßen kann, das zu sagen. Keiner hat eine Heilsgewissheit, niemand kann mit Sicherheit sagen, ob er in den Himmel kommt oder auch nicht. Sie sagt das einfach deswegen, weil das Gebet und vor allem die Betrachtung uns so sehr mit Gott verbindet und eine wirkliche Freundschaft entsteht. Beim Gebet sind wir bei dem, von dem wir wissen, dass er uns liebt. Gott liebt uns und beim Gebet treten wir in Kontakt mit ihm. Und Theresa sagt nun, wer wirklich täglich etwa 15 Minuten lang so eine intensive Zeit mit ihm verbringt, der wird auch nicht dauerhaft vom rechten Weg abweichen, sondern auch wenn er mal fällt immer wieder zurückkommen. Das ist für sie wie eine Garantie oder eine Versicherung dieser Freundschaft die sich vor allem im betrachtenden Gebet äußert.

 

Elisabeth: Also würden sie sagen, dass es einen Qualitätsunterschied bei den verschiedenen Arten des Gebets gibt? Ist es zum Beispiel schlechter, wenn man für 15 Minuten ein mündliches Gebet hält? Soll es wirklich eine Betrachtung sein? Welche Arten des Gebets gibt es überhaupt?

 

  1. Buchmaier: Ich denke, man sollte nicht sagen, dass es da ein Besser oder Schlechter gibt, denn jeder Mensch braucht zu einer gewissen Zeit oder einem gewissen Lebensumstand ein besonderes Gebet und eine besondere Gebetsart. Es ist sicher so, dass das mündliche Gebet zunächst einmal einfach ist, weil es unserer Natur mehr entspricht. Wir bestehen ja aus Leib und Seele und der Leib ist nun einmal ein wesentlicher Anteil, sonst wären wir Engel. Sind wir aber nicht, also gehört auch der Leib vorbereitet und mit einbezogen in das Gebet. Durch das Lippengebet, das mündliche Gebet, ist unser sinnlicher Apparat mehr mit einbezogen. Und das ist gut, das ist eine Vorbereitung und oft sogar eine Voraussetzung für andere Arten des Gebets. Gerade wenn man schon etwas fortgeschritten ist und sich im betrachtenden oder affektiven Gebet befindet ist es manchmal sogar ratsam, zurückzukehren zum mündlichen Gebet und so quasi wieder an der Basis zu arbeiten. Das gilt auch, wenn man große Zerstreuungen hat. Manchmal tut es einfach gut, nur mündlich zu beten oder sogar wieder einmal ein Buch herauszunehmen.

 

Elisabeth: Was ist das affektive Gebet von dem sie gerade gesprochen haben?

 

  1. Buchmaier: Also nach dem mündlichen Gebet kommt das affektive Gebet. Das ist ein weiterer Fortschritt und geht schon mehr ins Herzensgebet hinein. Das Herz und die Liebe sind mehr beteiligt. Da geht es eher weg vom Äußeren, vom, negativ gesagt, monotonen oder gewohnheitsmäßigen Beten hin zum Herzensgebet. Da ist eine gewisse, oft sogar unbewusste, Anziehung zum lieben Gott schon da. Man hat einen gewissen Drang in seiner Nähe zu bleiben oder schnell wieder zurückzukehren. Da steckt eine Gnade dahinter, die auch gewissermaßen sinnlich ist, das heißt es ist auch ein Gefühl dabei. Das ist natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt, da gibt es auch kein Patentrezept für. Aber, wie der hl. Thomas sagt, wer das affektive Gebet pflegt und es schafft, darin durchzuhalten, dem wird es mit der Zeit leichtfallen, eine schlechte äußere Gewohnheit wegzulassen, etwa zu langes fernsehen oder sinnlose Internetsurferei, weil man irgendwie mehr auf das Gute und wahre, eben auf Gott ausgerichtet ist und sich da auch wohler fühlt.

 

Elisabeth: Kann man das affektive Gebet denn auch beten, wenn man jetzt zum Beispiel Trockenheit verspürt und eigentlich gar keinen Affekt hat aus dem heraus man beten möchte? Was soll man in so einer Situation tun? Soll man nach einer Zerstreuung noch mal von vorne anfangen oder einfach weiter beten oder ein anderes Gebet wählen? Was würden sie raten?

 

  1. Buchmaier: Ich würde mich davor hüten zu sagen, du musst da dies oder jenes tun. Das wäre ein zu großer Eingriff den ich nicht wagen würde. Jeder Mensch und jede Seele ist anders gestrickt und hat einen anderen Zugang zum Gebet und eine andere Beziehung zu Gott. Ich würde sagen, man kann hier ruhig ausprobieren. Was tut einem gut? Manchen tut es gut, einfach mal zurückzugreifen zum mündlichen Gebet, beispielsweise den Rosenkranz in die Hand zu nehmen. Andere nehmen ein Buch und lesen da ein paar Zeilen oder eine Seite. Man kann da zum Beispiel die Heilige Schrift, ein geistliches Buch, ein Buch zum Lieblingsheiligen nehmen. Die Bergpredigt (Mt 5-7) ist zum Beispiel ganz schön um immer wieder zu fundamentalen Sachen zurückzukommen. Oder man bleibt einfach in der Stille vor dem lieben Gott; man bleibt einfach sitzen oder knien, je nachdem, welche Haltung man bevorzugt, und versucht, das Weitere ihm zu überlassen. Was man aber nicht machen muss: Beim Gebet wieder ganz von vorne anfangen, wenn man zum Beispiel eine Zeit mit dem Rosenkranz oder der Betrachtung verbracht hat und sich denkt, ich habe mir nichts gemerkt oder nichts verstanden. Das wäre eine Versuchung. Da sagt der hl. Franz von Sales zum Beispiel, wenn wir zu zerstreut gewesen sind lohnt es sich nicht lange zu überlegen, ob das jetzt eine Beleidigung Gottes oder so war. Allein die Tatsache, dass man sich die Frage stellt, zeigt schon, dass es nicht wirklich absichtlich oder boshaft war. Deswegen ist diese Zeit, auch wenn sie etwas zerstreut war, eine wertvolle Zeit, weil die Grundabsicht, seine Zeit Gott zu schenken und mit Gott zu verweilen gut ist. Und auch die Dinge, die einen oft zerstreuen, können wir Gott hinlegen. Sie sind oft ein Zeichen dafür, was wir brauchen und worüber wir vielleicht mit Gott sprechen wollen. Aber man soll nicht ganz zurückkehren: Theresa von Avila sagt plakativ, wer den ganzen Rosenkranz gebetet hat und plötzlich beim letzten Gloria Patri darauf kommt, dass man zerstreut war, dann betet man einfach gerade dieses Gloria Patri besonders intensiv, aber ohne jetzt noch einmal den ganzen Rosenkranz von vorne zu beginnen. Ich denke, das drückt sehr schön diese kindliche Haltung aus, um die es wesentlich im Gebet auch geht.

 

Elisabeth: Zum Thema Versuchungen: Wie soll man sich bei bestimmten Versuchungen verhalten? Welche Versuchungen sind normal? Gibt es Versuchungen, bei denen man sich Sorgen machen müsste, was falsch gemacht zu haben?

 

  1. Buchmaier: Es ist normal und entspricht unserer Natur, dass wir Versuchungen haben, dass wir zerstreut sind und die Versuchungen können ganz unterschiedlicher Art sein. Es kann auch sein und ist fast normal, dass jeder Mensch auch im Gebet im Laufe des Lebens alle verschiedenen Versuchungen ein bisschen durchmacht. Ich werde das jetzt mal ein bisschen versuchen zusammenzufassen: Es gibt die sinnlichen Versuchungen, die oft am Beginn des Gebetslebens auftreten. Diese Versuchungen sinnlicher Art sind oft auch mit dem affektiven Gebet verbunden, gerade weil auch im affektiven Gebet das Herz und das Gefühl eine größere Rolle spielen. Aber dafür braucht man sich nicht zu schämen. Das kann ganz normal sein, da sagen schon die Kirchenväter, das soll man einfach nicht ernst nehmen. Einfach Wegwischen. Das gleiche gilt auch für Glaubenszweifel oder für Versuchungen, sich etwa zu denken „das bringt eh alles nichts.“ oder „Jesus hört mich nicht, ich sehe ihn ja nicht.“ oder „Er ist vielleicht gar nicht im Tabernakel wirklich da“. Das sind Glaubensversuchungen geistlicher Art. Auch hier gilt: Einfach nicht ernst nehmen, sondern den Vorsatz erneuern: „Lieber Gott, ich weiß, dass du da bist. Ich bleibe und ich möchte bei dir bleiben. Du weißt es und du kennst meine Absicht, du kennst mein Herz.“ Da können wir diese Akte des kindlichen Vertrauens wiederholen. Dann gibt es noch eine weitere und vielleicht die schlimmste Stufe. Das ist so eine Art Widerwille, vielleicht fast Ekel, die bis zu Gottverlassenheit führen kann, bei der man nicht versteht, nicht will, wo man mehr als einfach nur keine Lust hat. Das kann oft ganz schwierig sein, wenn man durch so eine Phase hindurchgeht, die übrigens auch viele Heilige hinter sich hatten, wie der hl. Franz von Sales in seiner Jugend oder Therese von Lisieux, die eine schlimme Glaubensnacht hatte. Interessanterweise hatte selbst unser Herr am Kreuz das, als er sich gefragt hat „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“. Die Antwort gibt er uns gewissermaßen selber: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“. Also selbst diese Glaubensnacht soll uns nicht erschüttern, sondern wir sollen weiterhin versuchen, dem Gebetsleben treu zu bleiben, weil auch Gott getreu ist. Das sagt uns auch der hl. Paulus: Gott ist getreu. Jedes Gebet, selbst wenn es zerstreut ist, wenn es durch Trockenheit geht, wenn wir müde sind und fast einschlafen, lohnt sich. Es bleibt immer noch ein Zeitopfer und das Kind zeigt dem Vater gegenüber, wie sehr es bei ihm sein möchte. Gerade diesen guten Willen sieht Gott Vater gerne. Dann bindet er uns auch. Wann und wie und in welcher Intensität ist eine Frage der Gnade, das können wir uns oft nicht aussuchen. Auch Alfons von Liguori sagt sinngemäß: „Einfach treu bleiben, das Gebet nicht aufhören und dann zieht Gott uns auch immer mehr an sich.“ Es sagt auch der Heiland im Evangelium, dass wir ohne ihn nichts tun können.

 

Elisabeth: Das haben Sie sehr schön gesagt. Wenn wir das jetzt noch

zusammenfassen würden, was wir heute alles besprochen haben: Was würden Sie also kurz gefasst über das Gebet sagen? Wenn ich das richtig verstanden habe, soll man mit einer kindlichen Einstellung zum Vater beten, man soll vertrauensvoll beten, man soll auch durchhalten, wenn Versuchungen kommen, ganz egal welcher Art, ob Ekel, Trockenheit oder sinnliche Versuchungen. Würden sie das bestätigen, möchten sie noch etwas hinzufügen?

 

  1. Buchmaier: Das ist definitiv wunderbar zusammengefasst, vielen Dank! Ich denke, es ist wie eine Freundschaft: Wir lieben Gott, er liebt uns maßlos und je mehr wir versuchen diese Liebe zu erwidern, desto besser. Das passiert auch durch das Gebet. Und es ist wichtig, sich nicht drängen, verwirren oder aus der Bahn werfen zu lasse, sich seine Zeit zu lassen und sich selber kennenzulernen, sei es bei den Gebetsarten, bei den Gebetszeiten, bei den verschiedenen Hilfsmitteln und auch mit den anderen Sakramenten, die miteinfließen. Das alles zusammen ist etwas Wunderbares, aber wir sollten uns vor zu viel Leistungsdruck hüten, wenn man meint, man müsse z.B. noch diese Litanei oder jenen Psalter beten und diese Messe besuchen und da noch zur Anbetung gehen. Wir sind Menschen, wir leben in der Welt, wir müssen auch unsere Pflichten draußen erfüllen, unsere Arbeiten und Beziehungen pflegen, und in all das den lieben Gott mit hineinzunehmen ist das beste Gebet. Beten ohne Unterlass schaffen wir, indem wir unser Herz und unsere Seele so auf Gott orientieren, dass quasi jede Handlung zum Gebet wird; so wie der hl. Paulus sagt: „Egal was wir tun, preise allezeit den Namen des Herrn“ (Kol 3,17)

Elisabeth: Danke für das interessante Gespräch und bis zum nächsten Mal.