Warum katholisch und nicht nur christlich sein? – mit Pater Markus Buchmaier

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Warum katholisch und nicht nur christlich sein?

Ich wurde schon öfters gefragt: „Herr Pater, Sie sind ein Katholik“ oder „Sie sind ein katholischer Priester?“, und dann kommt oft die Frage: „Aber warum genau katholisch?“

Ich würde sagen, das Wesentliche, was die katholische Kirche ausmacht und so segensreich macht ist, dass sie eine Autorität besitzt. Eine Autorität, die direkt von Jesus Christus selbst kommt. Jesus Christus kam auf die Erde um hier eine Kirche zu gründen, eine Gemeinschaft zu gründen und dieser Kirche, dieser Gemeinschaft hat er eine institutionelle Hierarchie gegeben. Eine Autorität, die, nachdem er weg ist und in den Himmel aufgefahren ist, die Stellvertretung für Ihn übernimmt und als Symbol dafür gab er eben dem heiligen Petrus den Schlüssel und hat ihm dabei gesagt: „Du bist Petrus, der Fels, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen (Mt 16,18).“ Das meint jetzt nicht etwas Unsichtbares oder Geistiges allein, sondern es ist tatsächlich eine Struktur. Christus hat der Kirche eine Struktur verliehen und das ist sehr pragmatisch und pädagogisch gedacht. Das sehen wir schon als Christus in den Himmel aufgefahren ist. Da gab es verschiedene Meinungen unter den Juden und unter den Aposteln, die ja noch quasi Juden waren oder Juden gewesen sind, die dann aber vor allem auf die hl. Petrus und Paulus hin auch in die heidnische Welt ausgesandt wurden und den Heiden das Evangelium verkünden wollten. Da kam die Frage: Müssen denn jetzt Heiden, die sich zum Christentum bekehren, auch beschnitten werden, so wie das im Judentum üblich war? Die Apostel konnten nirgends nachschauen, sie wussten es nicht. Der Heilend hat es ihnen offenbar nicht in aller Deutlichkeit gesagt. Was haben die Apostel getan? Sie haben sich in Jerusalem beim ersten Konzil versammelt; Das können wir in der Apostelgeschichte Kap.15 nachlesen. Die Hierarchie der Apostel, die sichtbare Struktur der Kirche hat sich getroffen, um über diese Frage zu diskutieren und, nachdem sie auch den Heiligen Geist anriefen, haben sie entschieden, dass die Beschneidung nicht notwendig ist um Christ zu werden, sondern allein die Taufe.

Ein weiteres Beispiel, bei dem man sieht, wie sehr die Kirche sich entwickelt hat und wie sehr es notwendig war, dass Christus den Papst eingesetzt und der Kirche ein sichtbares Haupt gegeben hat, sieht man in den christologischen Streitigkeiten. Wer war Jesus Christus? War Jesus Christus nur ein Scheinmensch? War Jesus Christus nur ein gottähnliches Wesen? All diese Fragen beherrschten vor allem die ersten drei- bis vierhundert Jahre die Kirche und immer wieder ist Rom, ist der Papst eingegangen auf verschiedene Anfragen, auch auf Irrlehren, um dann definitiv im vierten Jahrhundert zu entscheiden: Christus hatte nicht nur einen Scheinleib, als er gestorben ist. Christus ist aber auch nicht nur Gott ähnlich, sondern Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich. Also das heißt: es gibt eine doppelte Natur in Christus, aber nur eine Person und all diese Fragen, diese Streitigkeiten konnten nicht einfach so gelöst werden, sie konnten nicht einfach in der Bibel nachgelesen werden, sondern es brauchte jemanden, der darüber entscheidet. Und das war die Autorität des Lehramtes der Kirche, eingesetzt von Jesus Christus selbst. Man sieht also, wie klug es gewesen ist, dass Christus eine Struktur gegründet hat.

Jetzt könnten wir uns einmal in die Perspektive des lieben Gottes versetzen. Wir sehen, der liebe Gott liebt die Menschheit. Das Gute, die unglaubliche und unendliche Liebe strömt er aus um uns seine Liebe mitzuteilen. Hier versuchen wir mal zurückzugehen ins Alte Testament. Nach der Erbsünde wurde die Gottesvorstellung oft diffus, die Gottesbeziehung nicht mehr so gepflegt, bis Gott wieder das Volk Israel ausgewählt hat und da einzelne Männer wie z.B. Abraham berufen hat und dem Volk die Verheißung gegeben hat, ihm sich wieder genährt hat und es dann Schritt für Schritt zum Glauben an den einzig wahren Gott wieder zurückgeführt hat. Er hat das Volk Israel auch gegründet, um es, stellvertretend für das ganze Menschengeschlecht, vorzubereiten auf den kommenden Messias. Wenn der liebe Gott sich diese Mühe gemacht hat und diese Liebe aufgebracht hat, um diese Beziehung wieder aufzubauen, dann müssen wir verstehen, dass es ihm ein Anliegen war, dass dieses Werk nicht zerstört wird. Deswegen hat er, nachdem Christus kam und wieder gegangen ist, Menschen als „Chefs“ eingesetzt, die nachfolgende Generationen im Glauben erhalten und unterrichten sollten und quasi als Schiedsrichter, als Stellvertreter Christi zu entscheiden hatten. Denn die heilige Schrift kann sich nicht selbst auslegen. Auch hier steht zum Beispiel die Frage: Welche Bücher gehören in die hl. Schrift? Das steht nicht in der Schrift selbst, sondern es bedurfte einer Autorität, die das festgelegt hat: die Kirche. Deswegen ist es auch anmaßend, wenn plötzlich nach 1000, 1500 Jahren oder nach 1900 Jahren jemand kommt und sagt: Nein, das muss man so oder so auslegen, denn niemand kann von sich aus behaupten, die göttliche Inspiration so wie in der Bibel für sich zu besitzen. Nein, die Kirche selber hat gesagt, diese und jene Bücher sind inspiriert und so muss oder kann es ausgelegt werden. Die Kirche hat auch nicht alles endgültig festgelegt in der Auslegung der hl. Schrift, da gibt es sehr viele Freiheiten. Das, was verbindlich als Glaubensgut festgelegt wurde, findet sich in den Dogmen.

Das heißt, man kann eigentlich zusammenfassend sagen, dass das geniale am Katholisch sein das beständige Lehramt der Kirche ist, an dem man sich als Katholik richten kann um sicher auf dem Weg in der Wahrheit und des Glaubens zu sein, so wie Jesus Christus selbst es gewollt hat.