Was ist der Unterschied zwischen Beichte und Seelsorgegespräch?

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Was ist der Unterschied zwischen Beichte und Seelsorgegespräch?

Elisabeth: Hallo an alle und Willkommen zum heutigen Video! Ich bin Elisabeth vom Kanal Biblical Bookworm und heute spreche ich wieder mit Pater Markus Buchmaier. Diesmal geht es um das Thema Seelenführung.

Grüß Gott Herr Pater. Heute habe ich die Frage: Was genau sind die Funktionen eines Seelenführers? Inwiefern kann ein Seelenführer einer Person im geistigen Leben helfen?

P. Buchmaier: Ja, die Seelenführung ist vielleicht tatsächlich etwas abhandengekommen in der heutigen Zeit, weil man oft auch den Kontakt zum Priester verloren hat oder den Priester mehr sieht als eine Person die am Altar steht oder im Beichtstuhl sitzt aber von dessen priesterlichen Leben man nicht mehr so viel mitbekommt. Aber ich denke, das ist sehr schade, weil gerade die Seelenführung eine schöne priesterliche Aufgabe ist, weil gerade hier auch die Seelsorge und die Aufgabe des guten Hirten ja so richtig zum Tragen kommt. Diese Frage beschäftigt auch die Kirche und die Kirchenväter ja schon seit 2000 Jahren und da gibt zum Beispiel auch der heilige Basilius den Ratschlag, dass man zu einem Priester gehen soll oder auch zu einem Ordensbruder, um sich Ratschlag zu holen, etwa in Gewissens- Moral- oder Beziehungsfragen. Man ist ja für sich selber oft ein schlechter Ratgeber. Man sagt ja auch „die eigene Nase sieht man nicht“. Oft geht es darum, Fehler zu erkennen oder im geistlichen Leben, wie im Gebets- oder Tugendleben voranzuschreiten. Eigentlich kann man alles den Seelenführer fragen und ich denke, man soll auch den Mut dazu haben.

Elisabeth: Verstehe. Und wo liegt der Unterschied zu einem Beichtvater. Den kann man ja auch um Rat fragen und moralische Fragen stellen. Wo ist da das Problem oder welchen Vorteil hat es, wenn man zusätzlich einen Seelenführer hat?

P. Buchmaier: Also prinzipiell muss der Seelenführer nicht der Beichtvater sein. Oft ist es ja so, dass man zu den Beichtzeiten alle paar Wochen bei einem bekannten Priester zur Beichte geht. Aber ich denke, das hat einen großen Nachteil. Man hat nämlich im Beichtstuhl nicht die Zeit und die Möglichkeit, immer alles sofort zu fragen und der Priester kann oft keine langen Erklärungen geben. Oder es kann ja auch sein, dass man neben dem Sündenbekenntnis noch eine allgemeine Frage loswerden will, für die der Beichtstuhl gar nicht der richtige Ort ist. Da ist es besser, bewusst auf den Beichtstuhl zu verzichten, weil der Priester im Beichtstuhl dem lieben Gott das Ohr leiht: Der Priester ist im Beichtstuhl nicht ut homo, sondern ut Deus; also wie Gott und nicht wie ein Mensch; er gibt die Absolution im Namen Jesu Christi und er vergisst als Mensch alles, was er im Beichtstuhl gehört hat. Die Beichte ist auch etwas, das sehr schnell geht, quasi wie eine Waschanlage. Ein Gespräch zur Seelenführung ist da etwas ganz anderes.

Elisabeth: Und inwiefern ist dann der Beichtvater noch an das Beichtgeheimnis gebunden, wenn der Pönitent dann eben nur Fragen gestellt hat. Kann er ihn dann danach ansprechen und etwas sagen wie „Du mir ist da übrigens noch was eingefallen zu dem was du mich gefragt hast“.

P. Buchmaier: Nein. Das ist eine gute und wichtige Frage, weil oft erwarten das die Leute vielleicht, wenn sie etwas gefragt haben. Aber das Beichtsiegel ist da auch an den Ort gebunden, der Priester darf dazu nichts mehr sagen. Der Priester dürfte höchstens das Beichtkind fragen, ob er auf das in der Beichte Gesagte zurückkommen darf, aber da merkt man schon, dass irgendwie etwas nicht passt. Das sollte klar getrennt sein. Ein anderer Aspekt: Zum Beichtvater kann ich stehen, wie ich will. Den muss ich auch als Mensch nicht besonders gerne haben. Es ist natürlich schön, wenn ich zu ihm hingehe und mich als Mensch in der Beichte öffnen kann, aber viele Menschen wollen den Priester z.B. vielleicht gar nicht kennen und anonym zur Beichte gehen. Aber mit dem Seelenführer sollte man gerne sprechen und sich keinen großen Zwang antun, um sich zu öffnen; und gewissermaßen eine geistliche Freundschaft pflegen. Auch das passt gar nicht so sehr in den Beichtstuhl sondern eher in den menschlichen, seelsorgerlichen Dienst der Kirche.

Elisabeth: Braucht jeder einen Seelenführer, sollten jetzt sozusagen alle, die dieses Video schauen, zu ihrem Priester gehen und um Seelenführung bitten oder brauchen das nur manche Leute oder Menschen mit bestimmten Problemen?

P. Buchmaier: Ich würde schon sagen, dass es jedem zu empfehlen ist, sich von Zeit zu Zeit mit Priestern zu beratschlagen, weil das Seelenleben ungemein wichtig, eigentlich das Wichtigste schlechthin ist. Da tut es gut, wenn man einen Führer hat. Ich gehe als unerfahrener Bergsteiger ja auch nicht auf einen großen Berg ohne Bergführer. Also man sollte auf jeden Fall ab und zu bei einem Priester vorbeischauen und mit ihm sprechen, vielleicht auch mal Exerzitien machen um sich ein bisschen mehr zu öffnen. Eine pauschale Regel, wie jede Woche zu einem Priester gehen zu müssen, würde ich nicht aufstellen. Da sollte man eher schauen, inwieweit die einzelnen Leute das bedürfen.

Jugendlichen, darunter würde ich Leute im Alter von etwa 12-13 Jahren bis etwa 22/23 Jahren fassen, würde ich raten, öfters mal mit einem Priester Rücksprache zu halten, weil sie ja noch in der Entwicklung sind und sich im geistlichen Leben auch viel entscheidet.

Dann würde ich noch Ehepaare in den Blick nehmen. Ich glaube Fulton Sheen meinte mal, dass der Mann der erste Seelenführer der Frau sein sollte und umgekehrt. Es soll also eine Zweisamkeit geben zu Gott hin: „Zur Liebe gehören Drei1“. Aber man sollte sich auch mit einem Priester austauschen über das Familien- oder Gebetsleben, vielleicht eine Weihe an das heiligste Herz Jesu erneuert. Manchmal kann ein Priester auch und gerade von außen einen guten Ratschlag geben. Auch bei älteren Personen würde ich sagen, dass es sehr wichtig ist, nicht einer Routine zu verfallen sondern auch von einem Priester begleitet wird, weil ja irgendwann der Tod vor der Tür steht. Da kann man mit einem priesterlichen Beistand sicherer sein.

Elisabeth: Danke für die hilfreichen Antworten! Ich denke, sie haben mir und anderen Zuschauern hoffentlich auch geholfen. Bis zum nächsten Mal!

P. Buchmaier: Danke auch für die guten und wichtigen Fragen

1 https://www.sarto.de/zur-liebe-gehoren-drei-das-grosse-geheimnis-der-ehe

Lektüretipp von P. Buchmaier:

Antonio Royo Marin und Jordan Aumann,

The theology of christian perfection Osanna Rickmann,

Dimensionen innerer Heilung Osanna Rickmann,

Sünde, Vergebung und Heilung – Thomas von Aquin und Psychotherapie