Boten und Diener Gottes – Die Erzengel

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Wenn man die Weiten des Internets eindringt und nach „Erzengel“ sucht, findet man Einiges zu diesem Thema, aber aus katholischer Sicht leider nur sehr wenig Brauchbares. 

Man darf nicht den Fehler machen, wie die Esoterik, dass man die Engel isoliert und für sich hinstellt. Engel haben Dienstfunktionen und sind nicht irgendwelche Herren über irgendetwas. Insofern betet man sie nicht an oder man verehrt sie nicht in dem Sinne, wie man Gott verehrt. Es mehr als wichtig und an der Zeit die katholische Sicht zu teilen und zu verbreiten.

Die katholische Kirche bestätigt die Existenz von Engeln und laut dem katholischen Katechismus sind Engel „rein geistige, körperlose, unsichtbare und unsterbliche Wesen“. Zudem gelten sie als Diener und Boten Gottes und schauen ihn von Angesicht zu Angesicht. Engel sind Vermittler zwischen Gott und Mensch, die ebenfalls mit Verstand und Willen ausgestattet sind. Sie bringen Gott zu den Menschen, sie öffnen den Himmel und öffnen so die Erde.

Die Wurzeln der Engelverehrung liegen schon im Judentum begründet und in der Bibel kommt das Wort „Engel“ insgesamt 305-mal vor. Angefangen vom Buch Genesis, wo Engel die Aufgabe haben, den Eingang zum Paradies zu bewachen (Gen 3,24), bis hin zur Offenbarung des Johannes, in der sie Vollstrecker des göttlichen Strafgerichts sind (Offb 15,6).


Die christliche Tradition kennt sogar eine genaue hierarchische Einteilung der Engel in neun Chöre, welche auf den Philosophen und Theologen Dionysios von Areopagita aus dem 6. Jahrhundert zurück geht und durch den großen Kirchenlehrer Thomas von Aquin (1225–1274) im 13. Jahrhundert wieder aufgegriffen wurde. 

Hierbei werden die neun Engelchöre nochmals in drei Hierarchien untergliedert:

Erste Hierarchie: Diese Engel sind mit dem Dienst am Thron Gottes beauftragt

  1. Chor der Engel: Seraphime: Sie sind die höchsten Engel, Widerschein höchster Gottesliebe und in ununterbrochener Anbetung Gottes begriffen.
  2. Chor der Engel: Cherubime: Sie bilden den Abglanz der göttlichen Weisheit.
  3. Chor der Engel: Throne: Sie sind ein Aufleuchten der göttlichen Majestät.

Zweite Hierarchie: Diese Engel verwalten das Universum

  1. Chor der Engel: Herrschaften: Sie sind zuständig für die Einhaltung der Ordnung im Universum.
  2. Chor der Engel: Gewalten: Sie verteidigen das Gute und arbeiten daran, dass der Wille Gottes ausgeführt wird und das Böse zurückgedrängt wird.
  3. Chor der Engel: Mächte: Sie wachen über die Sonne, Planeten, die Natur usw.

Dritte Hierarchie: Diese Engel sind für den Dienst am Menschen zuständig

  1. Chor der Engel: Fürstentümer: Die Fürstentümer achten auf die Länder, Völker, Großstädte usw.
  2. Chor der Engel: Erzengel: Sie stehen über den einfachen Engeln und haben besondere Aufgaben wie das Überbringen von Gottes Botschaften.
  3. Chor der Engel: Engel: Sie sind bestimmten Menschen, Orten oder einem Land zugeteilt. Ihre Aufgabe ist es, uns zu begleiten, zu beschützen und im täglichen Leben beizustehen.

Das Wort „Engel“ stammt von dem griechischen Wort aggelos, was „Bote“ bedeutet. Isidor von Sevilla erklärt das Wort archangeli als „höchste Boten“ (summi nuntii). Sie würden deshalb so genannt, weil sie die höchsten Dinge ankündigten und unter den Engeln eine Vorrangstellung einnähmen. Die Vorsilbe Erz- geht auf das griechische Wort ἀρχή archē, deutsch „Anfang“, „Führung“, zurück, das einen Vorrang zum Ausdruck bringt. Sie seien Führer und Fürsten (duces et principes), unter deren Ordnung einem jeden Engel Aufgaben zugewiesen seien. Dass die Erzengel, deren Namen alle auf der hebräische Silbe „el“, zu Deutsch „Gott“, enden, den gewöhnlichen Engeln Befehle erteilen können, leitet Isidor aus einer Stelle im Sacharja-Buch ab, an der beschrieben wird, wie ein Engel dem anderen befiehlt, Sacharja etwas auszurichten (Sach 2,7–8 EU). Einige von den Erzengeln, zu Deutsch „Oberengel“, so erklärt er, hätten persönliche Namen, mit denen ihre besonderen Eigenschaften bezeichnet würden. Durch die Deutung des Namens werde das Amt des Engels bestimmt. 

Die Verehrung der Erzengel entwickelte sich zuerst für den Erzengel Michael, welchem schon zu Anfang des 5. Jahrhunderts zahlreiche Kapellen und Kirchen geweiht worden sind. Hierzu haben sich im Laufe der Tradition sogar eigene Feste herausgebildet. 

Im liturgischen Kalender bildet das Erzengelfest deshalb eine Ausnahme, weil es neben dem Schutzengelfest, das einzige Fest ist, dass nicht mit einem Heiligen, der Gottesmutter Maria oder Jesus Christus verbunden ist. 1670 führte Papst Clemens X. für die ganze Kirche das Schutzengelfest am 2. Oktober ein. Im Zuge der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzilwurden die Festtage für Erzengel 1969 dann auf den Michaelstag am 29. September zusammengelegt.

Angesichts der Entwicklung durch Volksglauben und Esoterik stellte der Vatikan 2002 klar, dass nur die Erzengel Gabriel, Michael und Rafael namentlich verehrt werden dürften.


Hier ein Überblick über die drei Erzengel:

Der Erzengel Gabriel (hebr. גַּבְרִיאֵל) feiert seinen Festtag jeweils am 24. März und Gabriel bedeutet „Kraft Gottes“. Er ist es, der Maria die Botschaft bringt, dass sie Mutter des Gottessohnes werden wird. Außerdem nennt die Überlieferung ihn als den Engel, der dem Zacharias die Geburt seines Sohnes Johannes des Täufers verheißt, Josef im Traum erscheint sowie in der Heiligen Nacht zu den Hirten spricht. Ebenso wie Michael erscheint er im Buch Daniel. Dort hilft er Daniel, seine Visionen zu verstehen (Dan 8,16; 9,20 ff.). Teilweise wird der Erzengel in der Kunst mit weiblichen Zügen dargestellt, prinzipiell aber haben Engel kein bestimmtes Geschlecht. Gabriel wird oft mit einer Lilie dargestellt, die für die Jungfräulichkeit steht und auf die Verkündigung an Maria verweist. Gabriel ist unter anderem Patron der Postbeamten.

Papst Gregor der Große schrieb: „Er [Gabriel] kam, um denjenigen zu verkünden, der als demütiger Mensch erschien, um die kosmischen Mächte zu bändigen. So kündigte die Kraft Gottes das Kommen des Herrn der himmlischen Mächte an, der mächtig im Kampf ist.“ (Auszug aus Homilie 34, 8–9)

Raphael (hebr. רְפָאֵל) bedeutet „Gott heilt und der Erzengel Raphael hat seinen Festtag jeweils am 24. Oktober Die Figur des Erzengels ist eng an die Geschichte des Tobias (Tob 5,4–12,22) im Alten Testament geknüpft. Tobias ist der Sohn des frommen Israeliten Tobit, der in einer schweren Glaubensprüfung, bei der er unter anderem erblindet, Gottes Hilfe erfährt. Rafael begleitet Tobias auf seiner gefährlichen Reise nach Medien, wo er ihm dabei hilft, Sara zur Frau zu bekommen und eine Möglichkeit zu finden, seinen Vater von der Blindheit zu heilen. Rafael gilt in der Überlieferung als Regent der Sonne und soll demnach über ein sonniges Gemüt verfügen. Verbunden mit seiner Rolle als Reisebegleiter des Tobias ist Rafael unter anderem Patron der Pilger und Reisenden. Daher erscheint Rafael häufig in Pilgerkleidung und mit Reiseutensilien. 

Michael (hebr. מִיכָאֵל) bedeutet „Wer ist wie Gott“ und der Festtag des Erzengels Michael ist jeweils am 29. September. Der Überlieferung nach war es der Erzengel Michael, der Adam und Eva mit dem Schwert aus dem Paradies trieb und den Garten Eden bewachte. Namentlich wird Michael im apokalyptischen Buch Daniel (10,13; 12,1), im Buch Judit (9) sowie in der Offenbarung (12,7 f.) genannt. Dort heißt es: „Da entbrannte im Himmel ein Kampf; M ichael und seine Engel erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften, aber sie konnten sich nicht halten, und sie verloren ihren Platz im Himmel.“ Da der Drache das Symbol der gottfeindlichen Mächte ist, gilt Michael als der Erzengel, der gegen alle Kräfte kämpft, die Gottes Rang anfechten wollen. Entsprechend den biblischen Geschichten wird der Erzengel Michael häufig mit einem, teilweise flammenden, Schwert dargestellt, ebenso als Ritter, der den Drachen durchbohrt.

Das älteste Michaelsheiligtum ist der Monte Sant’Angelo in Süditalien, wo der Erzengel am 8. Mai 492 den dort lebenden Menschen erschienen sein soll. Interessant ist auch das „Schwert des Michael“, eine Linie von Wallfahrtsorten zu Ehren dieses Erzengels, die man als sein Schwert interpretieren kann. 

Im Mittelalter wurde er zum Patron des deutschen Volkes, wovon sich der „deutsche Michel“ ableitet.

Die katholische Kirche hat den heiligen Erzengel Michael immer sehr verehrt, vor allem bittet sie ihn, uns von den Angriffen des Teufels und seiner bösen Geister zu befreien. Papst Leo XIII. z. B. hatte eine Vision über den Zustand der Kirche in den nächsten 100 Jahren, wo er sich der Idee bewusst wurde, dass Satan und die gefallenen Engel im kommenden Jahrhundert losgelassen würden, um gegen die Kirche zu kämpfen. So schrieb der Papst das Gebet zum Heiligen Michael als Ergebnis dieser Erfahrung, welches ein Teil der sogenannten „Leoninischen Gebete“ (also die Gebete des hl. Papst Leo XIII.) im Anschluss an die Stille lateinische Messe wurde und von ihm verpflichtend vorgeschrieben wurde. Dies war das bis 1964 die Norm.

Abschließend das Gebet, was vielleicht wichtiger ist, denn je:

„Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe; gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels, sei unser Schutz.,Gott gebiete ihm‘, so bitten wir flehentlich; Du aber, Fürst der himmlischen Heerscharen, stoße den Satan und die anderen bösen Geister, die in der Welt umherschweifen, um die Seelen zu verderben, durch die Kraft Gottes in die Hölle. Amen.“

Laudetur Jesus Christus – in saecula.